Stadtgeschichtliches Museum öffnet am 22. Dezemberünzfreunden

Jetzt dauert es nicht mehr lange, bis das Stadtgeschichtliche Museum in Wismar wieder seine Pforten öffnet. Ab dem 22. Dezember können Besucher die neue Ausstellung in den Häusern Schweinsbrücke 8 (vorne) und 6 bewundern.

 


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Stadtgeschichtliches Museum öffnet am 22. Dezember

2215 Exponate in vier Gebäudeteilen an der Wismarer Schweinsbrücke

Wismar (Ostsee Anzeiger 19. bis 25. Juli 2017 Titelseite) - Noch geben sich Tischler, Elektriker, Monteure md Trockenbauer die Klinken in die Hand. Doch es dauert nicht mehr lange, bis das Stadtgeschichtliche Museum in Wismar, das viele Jahre geschlossen war, wieder seine Pforten öffnet. Das Ziel ist in Sicht: Ab dem 22. Dezember, so die Planung, können Besucher die neue Ausstellung in den Häusern Schweinsbrücke 8 (Schabbellhaus) und 6 (mit der Aufschrift „Edeka Grosshandel“) bewundern. Anschließend soll das Museum an 365 Tagen im Jahr zugänglich sein.

Seit dem 20. Mai 2010 ist as Schabbellhaus, ein 1569 bis 1571 errichteter Renaissancebau, geschlossen. Seitdem haben dort und im benach- ten Haus Bauleute das Sagen. „Es gibt noch viel zu tun. Aber wir freuen uns sehr auf die Wiedereröffnung. Ich denke, die Besucher können ge- spannt sein“, so Corinna Schubert, amtierende Leiterin des Museums und ab Oktober Chefin. „Hier rauchen aber die Köpfe, damit wir es hinbekommen“, sagt Norbert Huschner, Amtsleiter Tourismus und Welterbe.

Gearbeitet wird aktuell in allen Gebäudeteilen. Hier und da zwackt es immer ein bischen. Aber der Endtermin wird von keiner Firma in Frage getellt“, teilt Kristian Fleischhack vom Planungsbüro Angelis & Partner mit. „Zuletzt wird das ältere Vorderhaus Schweinsbrücke 6 fertig. Während der Bauphase muss man ständig überarbeiten, umdenken, umplanen.“

Beim Rundgang durch die Baustelle wird deutlich, dass sich viel verändert hat. Das Ensemble, das aus vier Teilen besteht (die Schweinsbrücke 6 mit dem dahinter liegenden Kemladen, die Schweinsbrücke 8 mit Seitenflügel), gehört zu den wichtigsten Zeugnissen bürgerlicher Baukultur in Wismar. „Die Häuser an sich sind schon Museumsstücke, Orte der lebendigen Denkmalpflege“, betont Kristian Fleischhack. Zeugnis davon geben unter anderem wuchtige Deckenbalken, alte Fenster und Treppen, Malereien an Wänden und Decken sowie einer der ältesten Dachstühle in Wismar.Er stammt aus der Zeit um 1350/1360 und ist im Haus Schweinsbrücke 6 zu bewundern.

Gesichert werden konnten zum Beispiel ein etwa 450 Jahre altes Renaissance-Fenster und eine Vorhang-Malerei, die wahrscheinlich aus der Zeit von Bauherr Hinrich Schabbell, der Bürgermeister in Wismar war, stammt. „Die Gebäude spielten eine zentrale Rolle bei der Anerkennung der Altstadt als Unesco-Welterbe“, erklärt Norbert Huschner. Andere Malereien sind konserviert und können eventuell später restauriert und gezeigt werden. „Wenn wir weitere Spenden erhalten, dann sind auch weitere Arbeiten möglich“, so Corinna Schubert. Eine große Herausforderung waren laut Fleischhack der hohe Grundwasserstand und die Verbindung der vier Gebäudeteile, die unterschied-liche Höhen haben. In Zukunft soll ein nahezu barrierefreier Rundgang durch das Stadtgeschichtliche Museum - vom Keller bis zum Dachgeschoss - möglich sein. Ein neuer Verbinderbau im Hof ermöglicht die Erlebnisrundtour.

Zur Barrierefreiheit gehören nicht nur Rampen, ein Plattformlift am neuen Eingang und ein Aufzug. Auch die Ausstellung ist für Menschen mit Beeinträchtigungen weitestgehend problemlos erlebbar - durch Tastobjekte und Audio-Führer, später auch durch Gebärdenvideos und Audiodeskription (akustische Bildbeschreibung für blinde und sehbehinderte Menschen). Neben Film- und Hör- stationen sind Leseexemplare und didaktische Stationen für Kinder zum Mitmachen vorgesehen. Genügend Sitzmöglichkeiten sind eingeplant.

Das Museum soll 2215 Exponate beherbergen. Die Ausstellungsfläche wird nahezu ver-vierfacht: auf 1510 Quadratmeter. Bereits Ende dieses Monats werden die ersten Vitrinen aufgestellt. Der Eintritt kostet voraussichtlich sechs und ermäßigt vier Euro. Den Preisen muss die Bürgerschaft noch zustimmen.

Das Kellergeschoss bietet Platz für zwei Veranstaltungsräume, Garderobe und Toiletten. Darüber sind dann die Ausstellungen zu sehen: „Häuser Schabbells“ im Erdgeschoss, wo sich auch der Empfangsbereich befindet, und Wismars Geschichte von der Stadtgründung bis 2016 im Erd- und Obergeschoss. Einzelne Abschnitte widmen sich den Themen „Wismar hansisch“, „fürstlich“, „schwedisch“, „mecklenburgisch“, „weltweit“, „industriell“, „sozialistisch“ und „Wismar heute“. Eine Besonderheit ist das „gläserne Museum“: Für Besucher soll das Ensemble mit Tätigkeiten wie Forschen und, Sammeln erfahrbar gemacht werden. Weitere Schwerpunkte sind Sonderausstellungen, Ver-anstaltungen, etwa ein Sommerkino im neu gestalteten Innenhof, und Museumspädagogik für Kitas und Schulen in speziellen Räumen.

In den Umbau (drei Baustufen) und die Sanierung der Gebäude Schweinsbrücke 6 und 8 wurden 12,54 Millionen Euro investiert. Davon sind 2,3 Millionen Euro städtische Mittel, teilt Roland Hollstein, Leiter Gebäudemanagement bei der Stadt, mit. Der Großteil der Summe wird gefördert, unter anderem durch das Bundes-Investitionsprogramm für Unesco-Welterbestätten. Geld für die Erhaltung von alten Gebäudeteilen kam beispielsweise von der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, den Stadtwerken Wismar und der Anne-Zangemeister-Stiftung.

Durch Wechsel beim Architekten, Bauverzögerungen und Unwägbarkeiten wird das Mu-seum später fertig als geplant und etwa 2,5 Millionen Euro teurer. An dem Großprojekt wird seit 1999 gearbeitet. now

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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