Lübeck Medaillen Marken Zeichen Band II

Das Buch, des II. Bandes enthält auf den ersten 61 Seiten Nachträge und Ergänzungen zum Band I. Dass die Lübecker auch früher schon feiern konnten und Freude am Leben hatten, zeigen uns die wunderschönen Schilde des Vereinskruges der Scharwenzelbrüder. Hier nur ein lustiges Beispiel

Die Scharwenzelbrüder

Sie waren eine Gemeinschaft von Kartenspielern. Das ist einem Artikel in den Vaterstädtischen Blättern zu entnehmen: "... Einige Stunden waren vergangen, Unteroffiziere und Wachmannschaft hatten sie mit dem damals beliebten Kartenspiel Scharwenzel tot geschlagen." ... * 

Hinterlassen haben sie uns einen Willkomm (ein Krug) aus Zinn an dem 27 Schilde und Medaillen hängen. Diese geben Auskunft über die Mitglieder ** und den Zeitraum des Bestehens der Gemeinschaft. (Sie waren beim Polizeiamt nicht als Verein gemeldet.) 

Auf der zum Willkomm gehörenden Karteikarte steht folgender Text: "Eine Schar­wenzellade war jahrelang auf dem Aushängeschild der Wirtschaft von Joh. Christ. Friedrich Junge (Kahlhorststr. 23) gemalt, wo die Scharwenzelbrüder ihre Zusam­menkunft hielten. Das Haus wurde auch danach die "Scharwenz lIade" genannt. Hier fand auch das Ringreiten der Gärtner vor dem Mühlentor statt." (Die Beschrei­bung erfolgt in der Reihenfolge, in der die Stücke am Willkomm hängen.)

 * Vaterstädtische Blätter Nr. 5 vom 6.2.1898; Altes aus Lübeck und Umgebung.

 ** Adressenangaben erfolgen nur bei einwandfreier Klärung. Quelle: AHL Krugakten

 Standort: MKK, Inv. Nr. 1902/61 

 

 
542.01
 

Ovales Schild, oben mit Rollwerk verziert und Gravur auf beiden Seiten.

Silber

49 x 77 mm

Vs.: Tanzender Mann mit Schnapsglas in der Hand und Text = Hermann I Meister - Bursch 1 hol - Zwirn I

Su, u, u, u, u - u, u, uch

Rs.: 7 Zeilen Text = Ick will Die I wat seggen verstah I mi recht versteihst I Du 1 J. C. F. Junge * I d. 6 t Septbr. I 1874

* Junge, Joh. Christ. Friedr., Wirt und Gärtner, Vorstadt SI. Jürgen, Kahlhorststr. 23 

Standort: MKK

Ein weiteres, sehr interessantes Kapitel, mit sehr schön gestalteten Schilden, welches ich im II. Band fand, sind die Sargschilde der Ämter oder auch Stände (Berufsstände). Ich kann mir gut vorstellen, dass hier unter anderem auch die Bezeichnung herrührt: „Er wurde standesgemäß zu Grabe getragen.“ Die beiden prachtvollen Sargschilde der Schiffergesellschaft, sprechen schon in ihrer Darstellung für sich. Wie müssen sie erst gewirkt haben, silberglänzend auf dem schwarzen „Boldt“.  

Sargschilde der Ämter 

Wenn im Nachtrag Bd. I näheres über die Totenzeichen der Maurer und Zimmerleute und die Bricken der Schiffergesellschaft berichtet wird, die alle mit dem letzten Weg des Verstorbenen in Verbindung stehen, so dürfen die Sargschilde nicht außer acht gelassen werden.

Über den mit einem schwarzen Tuch, dem "Boldt", bedeckten Sarg wurden die Schilde als Schmuck gehängt. Gleichzeitig konnte jeder erkennen, welches Amt einen Toten zu Grabe trug. Die Sargschilde waren auf der Rückseite mit Ösen bzw. Hakenzungen ver­sehen. Je 2 Schilde, mit einem Band zusammengehalten, konnten so seitlich am Sarg hängen. Während das "Boldt" durch eine Gebühr bei der Zulassung als Jungmeister finanziert wurde, sind die Schilde Spenden. Auf einigen Schilden sind die Namen der Spender graviert. Je reicher ein Amt war, um so schwerer waren die Schilde, siehe 522.04.2 = Schiffergesellschaft 

Quelle: AHL, Hach 93/94

 Literatur: Warncke, J.: Die Edelschmiedekunst in Lübeck; ders.: Der Silberschatz der Schiffergesellschaft. 

 

  

522.04.2 Seite 182 Abb. verkleinert

Sargschilde der Schiffergesellschaft (2 Stück)

Silber, teilvergoldet      285 x 340 mm

Ovales Schild, getrieben, punziert und Auflagen gegossen. Im runden Feld ein Kauffahrteischiff. Daneben Glaube und Hoffnung. Oben Sanduhr und Totenkopf von 2 Putten gehalten und Gravur = 1684. Unten ein liegendes Kind zwischen Akanthus­blättern. Schmaler Rand aus Blättern. Gewicht eines Schildes = 58 Lot = 876,15 Gramm

 Beschauzeichen: Nr. 10; Meistermarke: CS wie Warncke 426 = Claus Schmidt.

 Literatur: Warncke Nr. 426, 8 und Abb. 81; ders.: Der Silberschatz der Schiffergesellschaft, Tafel 6; Pietsch,

 U. Nr. 126; Hasse, M. Nr. 94

 Standort: MKK, Inv. Nr. 1967/14 (Dauerleihgabe der Schiffergesellschaft) 

  

 522.04.4 Seite 183 Abb. verkleinert

 Sargschilde der Schiffergesellschaft (4 Stück)

 Silber   235 x 280 mm

 Ovales Schild, getrieben und punziert. Im Feld Kauffahrteischiff. An den Seiten Glaube und Hoffnung. Oben gebundene Lorbeerzweige von Putten gehalten und unten Sanduhr über Totenkopf. Rand aus 4mal gebundenen Lorbeerblättern.

1710 mit Marke CS (Wohl von einem Gesellen gefertigt, denn Claus Schmidt war bereits gestorben.) Literatur: Warncke, J.: Der Silberschatz der Schiffergesellschaft, Tafel 8

Standort: MKK, Inv. Nr. 1967/16 (Dauerleihgabe der Schiffergesellschaft)

(Hier nur einige der zahlreichen Beispiele. Mit freundlicher Genehmigung durch den Autor Herrn Heinz Röhl, - Fotos Helmut Göbel)