Numismatische Denkmäler großer Epidemien

Aus der Sammlung

 „Medicina in nummis“ 

von 

Dr. med. Andreas Hoop 

Einführung zur Ausstellung anlässlich des 2. Mecklenburgischen Münztages 2009

 
  

 Pest

 

Über Jahrhunderte galt die Pest als Strafe Gottes, wes­halb auch der Schutz vor der tödlichen Krankheit in geistlichem Trost gesucht wurde.

Im 16. Jahrhundert fanden die sog. Pesttaler Verbrei­tung. Auf der einen Seite zeigten sie die Errichtung der Ehernen Schlange, auf der anderen den gekreuzigten Christus. Sie beziehen sich nicht auf datierbare Epide­mien, sondern galten als Schutz bei ständiger Pestge­fahr. Diese Pesttaler wurden häufig als Amulett getra­gen, und ihre Verwendung ist noch im 17. Jahrhundert nachweisbar.                      

  

                  Pesttaler -1539 - Erzgebirge von Nickel Milicz                       

      

Pesttaler - 1527 - Erzgebirge von Utz Gebhard

   

Besonders in bevölkerungsreichen Großstädten konnten sich Pestepidemien rasch ausbreiten und forderten zahl­reiche Opfer. Nach überstandener Pest wurden zum An­denken gelegentlich Taler bzw. Medaillen geprägt, die an das Ereignis erinnern sollten und zugleich ein Dank an Gott waren, der die Überlebenden verschont hatte.                         

    

Pesttaler - 1633 - Nürnberg Medailleur unbekannt 

                        

Pesttaler -1633 - Breslau von H. Rieger       

     

Pesttaler - 1714 - Hamburg Medailleur unbekannt   

 Durch Beobachtungen wurde festgestellt, dass eine hohe Ansteckungsgefahr bestand, so dass Quarantäne­-Maßnahmen ergriffen wurden. So ließ Maria Theresia (1740-1780) in Triest einen Quarantäne-Hafen er­richten, in dem Schiffe aus Pestgebieten 40 Tage lang isoliert blieben.                              

    

Medaille - 1769 - Triest von A. Wideman   

 Persönlichkeiten, die zur Eindämmung der Pest bei­getragen haben; sind teilweise auf Medaillen verewigt. Georg von Asch (1729-1807) bekämpfte im Russisch­-Türkischen Krieg die Pest, und Graf Gregori Orlow (1734-1783) organisierte in Moskau die Abwehr der Pest. Erst im Jahre 1894 konnte Alexandre Yersin (1883-1943) den Erreger der Pest identifizieren.

   

Pocken

Die Pocken waren über Jahrhunderte eine gefürchtete, oft tödlich verlaufende Krankheit.

Maria Theresia erkrankte 1767 an den Pocken und hatte das Glück zu überleben. Auf diese Genesung gibt es verschiedene Erinnerungsmedaillen.

Die Variolation war eine risikoreiche, mit Pockenerregern vorgenommene aktive Schutzimpfung mit gefährlichen Verläufen. EdwardJenner (1749-1823) konnte beobachten, dass Patienten, die sich mit Kuhpocken infiziert hatten, leichtere Krankheitsverläufe zeigten und immun gegen Pocken waren. Er entwickelte die Methode der Kuh­pockenimpfung (Vaccination), die rasch Erfolge zeigte. Als Anreiz gab es für Impflinge kleine Erinnerungs­medaillen und für durchführende Ärzte Prämienme­daillen.                      

   

Maria Theresia - 1767 - Medaille auf die Genesung von den Pocken - von A. Wideman

   

Cholera 

Im 19 . Jahrhundert sind zahlreiche Choleraepide­mien numismatisch belegt. Für die Verbreitung waren mangelhafte hygienische Verhältnisse wie unsauberes Trinkwasser und sorgloser Umgang mit Schmutzwasser und Fäkalien verantwortlich. Wesentlichen Anteil zur Erforschung der Cholera leisteten Max von Pettenkofer (1818-1901) und Robert Koch (1843-1910), der den Erreger nachweisen konnte.                          

      

Cholera -1832 - Hamburg von G. Loos / C. Pfeuffer         

     

Cholera - 1892 - Hamburg von A. Vogel       

Lepra (Aussatz) 

Diese hoch infektiöse Erkrankung führte zur Isolation der Betroffenen in Leprosorien, wo kein Kontakt mit der Außenwelt bestand, weshalb es in diesen Einrichtungen auch eigenes Geld gab. Um das Los der Kranken zu erleichtern, setzte sich Pater Damian de Veuster (1840-­1889) für eine menschenwürdigere Behandlung der Aus­sätzigen ein. Im Jahre 1873 konnte Armauer Hansen (1841-1912) den Erreger der Lepra nachweisen. Auch heute gibt es in vielen Gebieten der Welt noch Lepra, weshalb sich Organisationen wie das Deutsche Aussätzigen Hilfswerk für Aufklärung und Behandlung engagieren.                    

      

25 Jahre Deutsches Aussätzigen Hilfswerk - 1982 Medailleur unbekannt

   

Texte und Bilder: Dr. med. Andreas Hoop  

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(Für die freundliche Genehmigung zur unentgeltlichen Veröffentlichung, bedanken wir uns beim Autor.)