Notgeld-Vortrag vom 08.05.2009

Ein Vortrag vom Sammlerfreund Rudolf Bienas zum Vereinstreffen am 08.05.09 
(Wir bedanken uns bei dem Autor für die freundliche Genehmigung der Veröffentlichung) 
                    
Von links Rudolf Bienas während seines Vortrages, Sammlerfreund K.- F. Klenz unser Besucher V. Schulz und Sammlerfreund W. Reinhard, nicht auf den Bildern unser Besuch aus Rostock D. Schneider            

Notgeld: mit spezieller Betrachtung Wismarer Notgeldes 1715/16 und späterer lokaler Papiergeld- und Wertmarkenausgaben

Definition des Begriffes Notgeld nach einigen Quellen     

Bei Goebel in .Numismatik" wird Notgeld nur kurz angeführt in einer Aufzählung (S.20): und die Geldzeichen in Krisenzeiten (Belagerungs- und Notgeld, Hack- und Schnittgeld. Weitere Anführungen beziehen sich nur auf das Material des Notgeldes, sowie eine Abb. Von Gefangenengeld (Nr. 76) und von Notgeldscheinen (Nrn.454, 456).

Etwas ausführlicher werden Lexika.

Brockhaus gibt an: Münzen und Scheine und andere Zahlungsmittel vom Staat, von Kommunen oder anderen ausgegeben. Unter Belagerungsmünzen wird u.a. angeführt: Jülich 1610, sowie Landau 1702 und 1713. Letztere als Klippen aus Tafelsilber, mit dem Bemerk, dass solche Klippen oft (!) in Edelmetall seien und dem bezeichneten Wert entsprachen.

Bertelsmann gibt noch weniger an: Notgeld aus Papier und anderem, benennt aber die Materialen: Fe, Zn, AI, Porzellan u.a. Es wird Höchstwert der Papierausgaben 1923 genannt: 200 Billionen.

Im zweibändigen Lexikon des ENZYKLOPÄDIE Verlages Leipzig 1957 heißt es: Münzen, Scheine und andre, Geld vertretende Gegenstände, die bei Mangel an echtem Geld   von Behörden, Betrieben und anderen herausgegeben werden.

transpress Lexikon NUMISMATIK 1975: geprägtes Metall- und gedrucktes Papiergeld (auch aus Porzellan, Pappe, Presskohle, Seide Leinen)    ,welches bei akutem Geldmangel in besonderen Situationen (Krieg, Inflation) von Behörden, Betrieben u.a. ausgegeben wird.

Und bei den Belagerungsmünzen wird angeführt: Während der Belagerung einer Festung oder Stadt behelfsmäßig geprägte Münze, die meist von gleichem Metallwert wie die Kurantmünze war. Diese Münzen haben zum Teil Klippenform mit Umschriften ... .Oft sind sie zerschnittenes Tafelsilber, in den Eckpunkten mit Einstempelungen versehen. Am bekanntesten sind, die der französische General Melac 1702 in Landau herstellen ließ.

Interessant zu dem Thema ist ein kleines Büchlein aus dem Jahre 1701 von Johann Olearius.1) Prediger in Weißenfels: COURlOSE MÜNTZ-WlSSENSCHAFT.

 

Auf Seite59 wird berichtet: A(nno) C(hristi) 1689 7. Sept. ließ Jacobus 11. König in England in der Noth Geld von Meßing prägen, welches sehr rar seyn soll.

Auf Seite 64 ist zu lesen, dass: Als anno 1574 Leyden von den Spaniern belagert war, wurde auch eine papierne Müntze gepräget.

Auf Seite 80 wird bemerkt: Viereckigte (Münzen) findet man in Schweden sehr viel, welche sie Klippen nennen. In Kriegsnöten werden sie in der Eil zum öfftern also verfertigt....   

Und auf Seite 89 finden wird eine Erklärung gegeben zu Contre-Stempeln: .. dass diese schon auf römischen Münzen zu finden seien.

  

Also schon damals beschäftigte man sich mit Notgeld und Gegenstempeln!

 In einen Beiheft zu einer Ausstellung des Geldgeschichtlichen Museum der Kreissparkasse Köln zum Thema "Inflation in Deutschland" wird Notgeld ganz allgemein wie folgt definiert: „Notgeld: In Notzeiten für eine kurze Umlaufperiode ausgegebene Ersatzzahlungsmittel. 1914-23 werden gewöhnlich alle Geldscheine, die nicht von der Reichsbank ausgegeben wurden, als Notgeld bezeichnet.“3.

 

Dazu wird der Begriff Kleingeldscheine angeführt: 1916-22 anfangs aus Mangel an staatlichem Münzgeld ausgegebene Geldscheine in Werten bis ca. 50 Pfg. Bald nur in Serien für Sammler hergestellt. Bei beiden Begriffen kann man nicht von einer Definition sprechen.

Die obigen Angaben wurden hier angeführt aus zwei Gründen: Zum einen gibt es offensichtlich keine Übereinstimmung zu dem Begriff Notmünzen/Notgeld, zum anderen treffen auf die wismarschen "Notmünzen" der Belagerung 1715/16 nicht nur die hier angeführten Merkmale zu. Dazu die folgenden Ausführungen:

Nachdem Wismar im Verlauf des 17. Jahrhunderts belagert und eingenommen wurde, erfolgte 1712 eine vergebliche Belagerung, 1715/16 eine weitere, die mit der Eroberung der Stadt und der Beseitigung der Befestigungsanlagen endete. Während der Belagerung 1715 kam es zu einem akuten Geldmangel, der nicht nur auf Anordnung der schwedischen Stadtkommandanten beendet werden musste, sondern auch aus der Notwendigkeit heraus, den Handels- und Zahlungsverkehr (wenn auch in einem beschränkten Umfang) zu ermöglichen. Der schwedische Gouverneur Schoultz erklärte dem Bürgermeister Gröning, dass er seine Soldaten nur noch einmal löhnen könne.

Bemerke zu Gröning: Eine alte Wismarer Familie mit Bürgermeistern, Ratsherren, Richtern; interessantester Vertreter für uns: Johann Gröning, * 1669 +um 1741; Referendar am Tribunal; Autor von ca. 30 Werken, darunter eine Reihe Numis-Bücher, war seinerzeit recht bekannt. So wird bei dem oben erwähntem Olearius seine numismatische Hauptarbeit ,,HISTORlCA NUMISMA TICO CRlTICA" mehrfach zitiert.

Olearius berichtet auch von einem "neulichst in Hamburg von Herrn Dr. Gröningen ein teutsches SCRIPTUM von denen modernen (Schau- und Gedächtnismünzen) herausgekommenen, darinnen viel gutes enthalten". Hierzu ist zu bemerken, dass in deutscher Sprache geschriebene wissenschaftliche Literatur seinerzeit nicht üblich war!

Weiter im Grundtext:

Wegen des oben genannten Geldmangels schlug der schwedische Vizegouverneur Generalmajor v. Ascheraden dem Bürgermeister Gröning vier Möglichkeiten vor: (siehe auch B\IIJM S. 35-42; Kunzel Münzen 1998; sowie VB 112006)

1) Kreditbriefe an die Bürger auszugeben und diese zu beleihen;

2) Umlaufende Silbermünzen in ihrem Wert zu erhöhen;

3) Wie in anderen belagerten Städten, Münzen aus Silber, Kupfer oder Zinn zu prägen (gelegentlich passierte es, dass solche Prägung auch mit fremden Münzstempeln erfolgte!)

4) Sogenannte Kreditscheine als Geldersatz auszugeben

Ein "Ehrliebender Ausschuss" des Rates prüfte die Vorschläge und befand, man solle eine Papiergeldausgabe prinzipiell ablehnen, da es in anderen Städten bei der Einlösung solcher Papierausgaben Schwierigkeiten gegeben habe! Der Ausschuss schlug dagegen vor:

1) Umlaufendes Silbergeld mit Gegenstempel auf den doppelten Wert zu erhöhen:

2) Kupferne Drei-Pfenning-Stücke schlagen zu lassen (siehe unten!)   

3) Und als weiteres "Notklippen" aus Kanonenmetall gießen zu lassen.

Zu 1) Es wurden brandenburgische 16-Schillinge, hannoversche, hildesheimsche und andere 8-Schilling-Stücke, sowie mecklenburgische, wismarsche und Rostocker Schillinge und Doppelschillinge gegen gestempelt.4. Es waren über 93 000 Stücke im Wert von 6200 Rtl, was danach einen neuen Wert von ca. 12400 Rtl. ergab.

  

Zu 2) Für 1020 Rtl. wurden Kupfer-Dreier geschlagen, deren Präge kosten betrugen: 551 Rtl. 30 Schill., (wovon der Goldsschmied Johan Gade als Münzer 127 Rtl. 16 Schilling erhielt). So blieb ein Schlagschatz von ca. 470 Rtl. (Für Kleingeldprägung sehr gut)

Zu 3) 1260 Plattenmünzen zu 8 Mark (6,000 kg), 4 Mark, 2 Mark, 1 Mark, sowie zu 8 und 4 Schilling (0,188 kg) wurden gegossen und mit dem gleichen Gegenstempel, wie die Silbermünzen, in "des Rades Winhus" am Markt gestempelt.

Der Gegenstempel zeigt das Wismarer Wappen, in dessen weißen Feldern (links) die beiden Buchstaben NIW zu lesen sind, für "necessitas wismariensis (Mittellatein: Geldmangel) frei übertragen etwa "wismarsche(s) Not(geld). Die Gegenstempel waren aber so einfach, dass es sehr schnell Fälschungen gab. Dazu gibt es eine Arbeit von dem Münzfreund H. Kahnt in NH Nr. 51 Rostock 1987: „Falsche Wismarer Gegenstempel von 1715"

Da es offensichtlich an Kohlen fehlte, wurden im Dezember 1715 die Bürger aufgerufen Bronzebruch zu erwerben. Hier kamen noch mal 2448 Rtl. zusammen.

Es ergibt sich das nachfolgende Bild für diese Aktion 1715/16 in Wismar:

1) 93 821 gegen gestempelte Silbermünzen, sind durch die Buchstaben NIW eindeutig als Notgeld zu betrachten.(siehe 3 kaum lesbar.)    

2) 1260 Stücke soa. Kanonengeld,mit einer Masse von 1860 kg, durch Form und Stempel ebenfalls eindeutiges Notgeld.5.

Aber dazu kommen noch ca. 5500 kg an ungeprägter Bronze, wenn man die erzielte Summe von 2450 Rtl. nach den Massen der "Klippen" hochrechnet! Hier kann wohl nicht von Notgeld gesprochen werden! Dies auch unter dem Aspekt, dass auf dieser nicht geprägten Bronze bestimmt kein Nominal angegeben war.

Eine spezielle Sache sind die 1020 Rtl. an Kupferdreiern: Sie tragen keine Bezeichnung, die sie als Notgeld ausweist! Sie werden von Evers (Mecklbg. Münzverfassung) in der normalen chronologischen Reihung geführt (Ev. Bd. II 490/5). Er führt auch in der Wismar. Münzgeschichte Bd.1 S. 418 nur kurz die anderen gegen gestempelten bzw. gestempelten Münzen an und erwähnt die Kupferdreier nur mit: „...auch eine gewisse Summe an kupfernen Dreilingen geschlagen...“

Auch Grimm reiht die Kupferdreier zwischen dem Dreier 1622 (mit PHenning) Nr. 626 und dem Dreier 1721 (mit PFenning) Nr: 628/629 ein. Lediglich mit einer in Klammer gesetzten Notiz (als Notmünze geprägt) weist Grimm darauf hin.

Auch das Wappen, sowie die gesamte Ansicht, weisen darauf hin, dass es sich um eine Prägung der neuen Form handelt: Alle späteren Kupferdreier führen ein gleiches bzw. gleichartiges Wappen. Kunzel führt diese Kupferdreier 1715 aber separat beim Kanonengeld! (Nr.331)6./7.

Ein weiterer Fall von Notgeld in einer Notiz aus dem Techen'schen Zettelkasten:

Der Rat forderte 1799 die Kaufleute auf, ihre wegen Kleingeld-Mangel ausgegebenen Blechscheiben umgehend aus dem Verkehr zu nehmen, da infolge der Prägung von fast 190 000 Drei-Pfenning­Stücken durch den Rostocker Kleinschmied Friedrich Lautersack diese „Blechscheiben" ihren Zweck verlören.

Eine Information vom Münzfreund Herrn Hermann Rhein sei noch genannt; Ein Wismarer Kaufmann am Spiegelberg gab als Wechselgeld in seinem Geschäft in den Zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts blecherne Militärknöpfe aus.

Ebenfalls in den zwanziger Jahren tauchten auch in Wismar sogenannte Notgeldscheine auf. bekanntesten sind die Geldscheine des sog. Reutergeldes.

Die 70 Städte und Gemeinden in Mecklenburg editierten je drei Scheine, welche mit lokalen Motiven und Sprüchen des bekannten niederdeutschen Dichters Fritz Reuter bedruckt waren. (Eine komplette Sammlung aller Scheine wurde auf einer Ausstellung der Doberaner Münzfreunde 2008 vorgestellt.) Diese Scheine waren besonderes unter dem Aspekt der Werbung und Verkauf an Sammler herausgegeben. Ausgegeben nach Gültigkeitsdatum. Auch Wismar war mit drei Scheinen dabei:

10 Pfennig mit Marienkirche (deren Turm nach Bombardierung und Sprengung noch steht)

25 Pfennig mit Wassertor (letztes der 5 Tore, die Wismar hatte)

50 Pfennig mit Panorama der Stadt von See aus8.

Die Scheine sind nicht nummeriert, tragen aber den Vermerk: Gültig für den Geldverkehr innerhalb der Stadtgemeinde bis 31. Dezember 1921.

Als nächstes sollen 5 Scheine vorgestellt werden, welche von der Ortsgruppe Wismar des 9) SV München herausgegeben wurden. Bei diesem SV handelt es sich nicht um den bekannten Sportverein, sondern um einen deutschlandweiten Hundezuchtverein! Daher sind auf der Nominalseite, welche eine große Ähnlichkeit mit einer Spielkarte aufweist, die Köpfe zweier Schäferhunde, Sieger des Jahres 1921 abgebildet.9.

 

Avers der Notgeldscheine des SV München

  

Revers der Notgeldscheine des SV - München 

Weiter finden wir auf dieser Seite das Wismarer Stadtwappen, das Nominal und den Text: Notgeldschein/ der OG Wismar des SV München/ Gültig bis 31. Dezember 1921/lfd. Nr.

Die Stückelung der Scheine ist wie folgt:

10 Pfennig mit dem Wasserturm am Lindengarten

25 Pfennig mit dem Wassertor (siehe Bemerk oben)

50 Pfennig mit dem wohl ältesten Bürgerhaus in Wismar, dem "Alten Schweden"

75 Pfennig mit dem .Schabbelhaus", (Koch'sche Brauerei) heute Stadtgeschichtliches Museum

95 Pfennig mit dem Panorama der Stadt

Interessant ist, dass um jedes Bild die deutsche (schwarz, weiß, rot, sowie die wismar'sche (weiß, rot) und die mecklenburgische Fahne (blau, gold, rot) abgebildet sind.

Die dritte Serie (drei Scheine) wurde ausgegeben vom Wismarer Keglerverein mit der Volksbank während eines Städtewettkegelns, welches vom 9. bis 17. Oktober 1921 stattfand. Diese Scheine sollten einen akuten Kleingeldmangel während des Turniers beheben. Sie waren einlösbar bis zum 1. Nov, bei den Wismarer Kegelbrüdern bzw. bei der Volksbank. Auf der Vorderseite war zu lesen: 

WECHSELGELD/ ZUM I. NORDDEUTSCHEN SRÄDTEWETTKEGELN IN WlSMAR 9.-17.0KT.1921, sowie die Hinweise zur Gültigkeit und Einlösung der Scheine.10.

 

 

 

 

Auch diese Scheine, die bei den Gebrüder Hohenschild, Lübeck, gedruckt wurden, waren nicht nummeriert. Die Stückelung der Scheine war:

1) 50 Pfennig mit dem Kegeljungen und dem Vermerk: „5 Penning för mi“ und 

                    "De vergnögte Kegeljung von früher!"

2) 50 Pfennig mit einem Kegelbruder in Grundstellung an der Bahn, Text: „Der Sportkegler"

            Text an den Seiten: „Es wächst und blühet immerfort Der edle deutsche Kegelsport"

3) 1 Mark mit einer Gruppe Kegelbrüder an den Bahnen. Text oben und unten:

            „Schuw' dien Kugel an de Naht - So dat sei in de Gaß rin fat"

            "Wenn Du kannst, denn dreih sei man, Denn hest du ok dien Freud doran!"

(Gedruckt in Lübeck, wo ähnliche Scheine kursierten. Ifo Volker Schmidt, Rostock) Eine weniger bekannte Serie soll hier ebenfalls vorgestellt werden: Das Gefangenengeld von der Waggon-Aktiengesellschaft Wismar. Es liegt vor in der Stückelung: 5 Pfg., 10 Pfg., 50 Pfg., 1 Mark.

Oben und unten ist zu lesen: "Waggonbau-Aktiengesellschaft Wismar", in den Ecken und in der Mitte (von einem Kreis umschlossen) das Nominal, darunter: »Nur gültig im Gefangenen-Nebenlager".

Der Versuch in alten Akten mehr zu erfahren, scheiterte daran, dass nur noch 1 lfd. Meter davon vorhanden waren. Zeitzeugen sind keine mehr nachzuweisen.11.

 

Avers - das Revers ist nicht bedruckt. 

(Auch von der Zuckerfabrik gibt es Gefangenen-Geld: 4; 2; 1 Mark; 50 Pfg. Volker Schmidt Rostock)

In einer Ausstellung in der Stadtbibliothek waren vor Jahren zwei verschiedene Varianten von 50-Pfennig­Scheinen zu sehen, die von der Volksbank Wismar geplant waren, aber nicht zur Ausgabe gelangten. Der Verbleib ist nicht mehr zu ermitteln.(Gültig bis 01.11.1919 vorgesehen. Info Volker Schmidt, Rostock).

Nach einer Information des Münzfreundes Volker Schmidt, Rostock, existieren auch noch hand­geschriebene Scheine über einen höheren Betrag (1 Million Mark), ausgegeben von der hiesigen Stadtverwaltung. ( Ausgegeben 10.08.1923: gültig bis 31.08.1923! Info Volker Schmidt. Rostock

Vorgelegt werden auch die Kopie dreier Scheine aus Wismarer Gaststätten.12

  

 

Zwei Wertmarken über 10 und 20 Pfennig aus den 20er und 30er Jahren. Diese liegen in dem Königlichen Münzkabinett in Kopenhagen (Info: Volker Schmidt, Rostock), sowie ein »Verzehrschein" der Gaststätte »Zur Kogge" über einen (handgeschriebenen) Betrag von 3 Mark.

Eine andere Art von Wertscheinen ist der von der Schiffsreparaturwerft Wismar (der späterer »Mathias­Thesen-Werft") ausgegebene Schein über 100 Gramm Mischbrot. Das Brot erhielten die Werftarbeiter (1946/49) ohne Bezahlung, womit der Schein als Wertschein betrachtet werden kann.

Anders ist der zweite Schein Teil einer Lebensmittelkarte aus der Zeit 1914/19, also nur eine  Bezugsberechtigung.13.

 

In einem älteren Buch über Wismar wird von einem Herren-Club berichtet, ähnlich der englischen Herrenklubs, wo erworbene Wertmarken für Getränke dem Hausdiener zur Ablösung überreicht wurden. (Vorgelegt 1980 auf einer Pirckheimer-Versammlung in Wismar). Soweit die vorgelegten Stücke aus Wismar.

Zu den angeführten Stücken:

1) Gegengestempelte Münzen können unter mehreren Aspekten eingeordnet werden. Sie können verschiedene Anlässe haben: Gebietsveränderung, Wechsel der Herrschaft, Erweiterung oder Eingrenzung von Gültigkeitsbereichen (örtlich! zeitlich), akutem Geldmangel (Edelmetall). Bei den vorgenannten Münzen (Gegengestempelte Münzen) handelt es sich eindeutig um Notgeld. Das ist wegen des Anlasses und der zusätzlichen Bezeichnung mit NW deutlich erwiesen.

2) Die Kupferdreier 1715: Trotz der mehrfachen Bezeichnung als Notgeld sind diese wegen der Ähnlichkeit mit nachfolgenden Cu-Dreiern und dem fehlenden amtlichen Einzug und Umtausch nach der Belagerung nicht als Notgeld anzusehen

3) Die Gussbronzen fallen aus den sonstigen Münzen heraus. Ihr äußeres Vorbild sind die schwedischen Notmünzen, die wegen ihrer Form als Klippen (schwedisch für beschnitten) bezeichnet wurden. (Als sog. KIipping kamen sie im normalen Umlauf erstmalig bei dem dänischen König Christian 11. vor (1513-23) vor. Hier handelt es sich mehr um ausgewalzte Platten, aus denen die Münzen geschnitten wurden. Zu beachten ist aber, dass auch die bis 19,7 kg schweren Kupferstücke, welche ab Christi ne von Schweden(1632-1654) im 17.1

18. Jahrhundert in den skandinavischen Ländern, auch in Russland ausgebracht wurden.) Hier ist ebenfalls erwiesen, dass es sich um Notgeld handelt. Sieh auch Gegenstempel!

Dagegen sind die Bronze-Bruchstücke sind weder geprägt noch in Form gegossen, noch gestempelt, also nicht als Geld anzusehen.

4) Die Blechscheiben der Kaufleute 1799 können als Notgeld gelten: Zum einen wegen ihren Funktion zum zweiten wegen der amtlichen Bestätigung, durch den Aufruf, dass sie aus dem Verkehr zu ziehen seien. Das ist unabhängig von Material, von Stückelung und der Ausgabe sehen.

5) Das Reutergeld erfüllte nicht einmal den Zweck ein Zahlungsmittel zu sein, denn schon beim Entwurf wurde die Werbewirksamkeit hervorgehoben. (Ausgabe von je 100 000 Stück nach dem aufgedruckten Verfallsdatum. (Info Volker Schmidt)

6) Auch wenn Spendenscheine, wie die des SV München, von einigen Numismatikern zum Notgeld gezählt werden, weil der Begriff Notgeld auf dem Schein zu finden ist, erfüllen sie nicht den Charakter eines Zahlungsmittels.

7) Die Wechselscheine der Kegler erfüllen den Zweck, fehlendes Kleingeld zu ersetzen und tragen den Passus der Rücktauschfähigkeit, können also als Notgeld angesehen werden.

8) Lagergeld aller Art kann nicht als Notgeld angesehen werden. Hier fehlt eine Notlage.

Es kann vorher gefertigt werden, man könnte bereits vorhandenes Geld nutzen. Zu dieser Kategorie gehören auch andere Zahlungsmittel, wie Kantinengeld, Schiffsgeld u.ä. Lagergeld soll den Besitz von gültigen umlaufenden Geld unnötig machen bzw. erschweren, um z.B. bei Gefangnen eine Flucht zu erschweren.

9) Aus der Münzstätte in Karlsruhe ist dem Autor „Plastegeld" bekannt. Umlaufendes Münzgeld ist innerhalb der Münzwerkstätten verboten. Das „Plastegeld" erschwert das illegale Außer-Haus­bringen von bereits geprägtem aber noch nicht von der Bundesbank vereinnahmten Geld. (In der Münzstätte vorhandene geprägte Stücke werden erst als Geld betrachtet, wenn sie von der Bundesbank vereinnahmt sind.)

10) Wertmarken, Gutscheine, Verzehrscheine oder Getränkemarken, Pfandscheine oder        Marken sind nicht zum Notgeld zu rechnen, da sie ein Äquivalent in nur einer Richtung darstellen, eine beliebige zeitliche oder örtliche Einwechselung oder Umtausch ist nicht gegeben.

11) Handgeschriebene Ausfertigungen sind auf Echtheit und Funktion zu prüfen. Ein Umlauf muss

vorgesehen und erfolgt sein.

Sehr wichtig beim Einordnen von Notgeld sind folgende Überlegungen: Die Münzhoheit liegt bei der Münzherrschaft, das heißt beim Staat. Auch Notgeld ist vom Staat oder einer berechtigten Institution auszugeben! Diese Institutionen erhalten die Erlaubnis unter einer Anzahl von Auflagen. So galt anfangs der 20er Jahre, dass Notgeld nur im Pfennig-Bereich ausgebracht werden durfte. Das erklärt auch den o.a. 95-Pfennig-Schein. Auch sollte Notgeld nicht mit der Bezeichnung Reichs-Pfennig oder Reichs-Mark bezeichnet sein. Der Einsatz von edlen Metallen sollte unterbleiben. Aus Unkenntnis, manchmal aber auch bewusst, wurden die Regeln oft verletzt.

Wie wenig der Zweck einer Notgeldausgabe im Vordergrund stand beweist ein Schreiben des Schutzverbandes für Kunst- und Geistesleben in Lübeck an den Senat der Stadt vom 14.02.1921: Es solle ein Preisausschreiben für künstlerisch wertvolle Notgeldentwürfe14) ausgerufen werden.

Stralsund, Inflationsschein zu 500 Mark, November 1922.14)

Im letzten Absatz heißt es:

Wie die Erfahrungen in anderen Städten ergeben hätten, ist bei Herausgabe von künstlerischem Notgeld der ganze Erstdruck von Sammlern und Händlern aufgekauft worden, sodass nicht nur die für das Preisausschreiben zur Verfügung gestellte Summe gedeckt, sondern dabei meist auch ein beträchtlicher Reingewinn erzielt wurde.

Dass diese Tendenz sehr stark war, kann man einem Rundschreiben entnehmen, welches am 16.06.1922 von der Zeitschrift „Der Notgeldmarkt" in Hannover an die norddeutsche Städte verschickt wurde. In diesem Schreiben wird auf das drohende Notgeldverbot mit der entgeltlosen Vernichtung bestehender Notgeldbestände hingewiesen. Weiter heißt es darin:

„Auf Grund unsrer Mitteilung hat eine ganze Reihe von Kommunen ihre Bestände durch Inserate in unserer Zeitschrift angeboten. Da das sicherlich dort vorhandene Notgeld in Ihrem ureigensten Interesse so günstig wie möglich verwertet werden soll, ist die Aufgabe einiger Inserate unbedingt

erforderlich!“ Weiter heißt es: „ Da in Händler- und Sammlerkreisen Notgeld sehr gesucht ist, empfehlen wir Ihnen, eventuell noch vorhandene Bestände ebenfalls anzubieten".

Und Notgeld wurde gedruckt: Die Lübecker Kartonagenfabrik Johannes Moll lieferte in nur zwei Tagen (14.115.06.1921) 35000 Scheine unbekannter Stückelung an die Stadtkasse Lübeck.

(Hinweis: Lübeck hatte eine Stadtkasse und eine Staatskasse)

Zwar sollte jede Prägung bzw. jeder Druck vom Reichsfinanzminister genehmigt sein, nur kamen die Kontrolleure bei der Flut von Ausgaben mit den Kontrollen nicht nach. So sollte eine entsprechende Summe in Gold in der Reichskasse hinterlegt werden.

Ein Hochofenwerk sollte z.B. folgende Auflagen erfüllen: 150 000 RM hinterlegen mit Ortsangabe, die Stückelung der Scheine und die Druckerei angeben, und Forderungen über Ablauf und Kontrolle von Ausgabe und Einlösung zu informieren.

Wie allgemein bekannt sei dürfte, führte das laufende Drucken und Ausgeben dieser gedruckten Scheine mangels Deckung zur Inflation, welche Ende 1923 mit der Einführung der Rentenmark, basierend auf der Belastung landwirtschaftlicher, gewerblicher und industrieller Betriebe beendet wurde. Inflation bedeutet eine Insolvenzerklärung des Staates, mit der Staatsschulden im Inneren auf Null gesetzt werden, sowie eine Umverteilung des Geldes stattfindet.

Vorlagen:

1) Olearius, Joh. Christopher: Curiose Müntz-Wissenschaft; Jena 1701/ repr. Leipzig 1976

2) Galvano: Witten Wismar ab 1411; - Gegenstempel von Münster um 1420

3) Sparkasse Köln: Fenster Nr. 155; Ausstellung 1998: Millionen. Milliarden, Billionen

4) Galvano: 1/48 Taler Wismar 1663;    Gegenstempel von Wismar 1715

5) NNB April 2002 Dr. Th. Fried: Erwerb einer 32-Schilling Plattenmünze für MK Schwerin

März 2006 T. Sundquist: Wismarer Plattenmünzen 1715 (Fälschungswarnung)

6) Kopien v. Kunzel Drei Phenninge 1621/22: Nr.167-169//1715-1721-1854 Nr.300-324

7) Vorlage 3-Pfg.-Münzen

8) "Reuter-Geldscheine"           10 Pfg; 25 Pfg; 50 Pfg (doppelt mit Vor- und Rückseite)

9) "SV-München-Scheine" 10 Pfg; 25 Pfg; 50 Pfg Vorderseite; 75 Pfg; Vor- und Rückseite

10) Kegler-Wechselscheine 50 Pfg 2 verschiedene; 1 Mark Vorderseite; gemeinsame Rückseite

11) Gefangenenlager-Scheine Farbkopie 5 Pfg; 10 Pfg; 50 Pfg; (Arno Hoppe)

12) Gaststätten-Wertscheine Kopie von 2 Scheinen

13) Brotwertmarke Original Brot/Mehlmarke Original

14) Stralsunder 500-Mark-Schein 1922 Kopie aus "Fenster" (s.o)