Reutergeld Bad Doberan

Es war ein Zufall, beim Stöbern fand ich diese kleine Broschüre von 1978 und in ihr ein paar interessante Beiträge. Da die Fotos der Geldscheine in der Broschüre schwarz – weiß sind, bat ich um Hilfe und ich erhielt viele Notgeldbilder für die Veröffentlichung. Für die Unterstützung möchte ich mich bei den Freunden Jan Poschauko und Günter Drechsler bedanken. Um das ganze Bildmaterial vorzustellen werde ich versuchen es in kleinen Beiträgen aufzuteilen. Ich muß auch bei der Darstellung vom Original der Broschüre abweichen, da in der Broschüre nicht alle Scheine die angeführt sind auch abgebildet wurden. Doch lesen Sie erst den Beitrag. (Administrator)  

 

Broschüre: 15 Jahre Fachgruppe Numismatik

im Kulturbund der Deutschen Demokratischen Republik

Bad Doberan 1963 - 1978  

PAUL ALEXANDER NEBAUER 

Notgeld der Städte und Gemeinden des jetzigen Kreises Bad Doberan       

Während des ersten Weltkrieges entstand durch das Horten von Silbermünzen ein spürbarer Mangel an Scheidemünzen. Das Einziehen der Kupfer- und Nickelmünzen zog einen entsprechenden Kleingeld­mangel nach sich. Seit 1916 kam es dann zur regulären Prägung von, Münzen aus Eisen und Zink. Als die Reichsbank den Geldbedarf nicht mehr decken konnte, ,erhielten Städte ;und Gemeinden die Genehmigung zur Ausgabe von Notgeld, das in seiner Gültigkeit örtlich und zeitlich begrenzt war. Diese Maßnahme erreichte 1919 und 1920 ihren Höhe­punkt, zog sich aber durch die Ausgabe der vor allem für Sammler' gedachten Serienscheine bis 1922 hin. Auch im Gebiet unseres heutigen Kreises Bad Doberan kam es 1921 und 1922 zur Ausgabe von Notgeldscheinen. Acht Orte konnten zur Herausgabe von Reutergeldscheinen bewogen werden. Sie hofften nicht zuletzt durch diese originelle Variante auf eine Aufbesserung ihres Etats, da die Scheine mit großer Wahrscheinlichkeit nicht wieder eingelöst würden. Die ,gefällige Gestaltung mit Städtebildern, Baudenkmälern und anderen lokalen Darstellungen, für die namhafte Künstler wie Egon Tschirch und Erich Bentrup verantwortlich zeichneten, ließen die Ausgabe der Notgeldscheine zu einem vollen Erfolg werden. Außer dem Reutergeld wurden Notgeldscheine in Bad Doberan und Brunshaupten ausgegeben.

Heute noch gibt es zahlreiche Sammler dieser Scheine, die nicht nur eine numismatische Besonderheit sind, sondern auch eine lokal­geschichtliche und kulturhistorische Bedeutung haben.

1. Reutergeld - Bad Doberan zu 10, 25 und 50 Pfennig

10 Pfennig Reutergeld von Bad Doberan
Erich Bentrup
 
 
 
 Revers: 10 Pfennig Reutergeld von Bad Doberan
 
 
 
 10 Pfennig - Nah vorwärts kiek, kiek nich taurügg!
( Gültig für den Geldverkehr innerhald der Stadtgemeinde bis zum 31. Dezember 1921.)
( Der rat der Stadt Doberan: Stübemann.) 
 
25 Pfennig Reutergeld von Bad Doberan
 
 
 
 Revers: Pfennig 25 Pfennig
 
 
 
- Schöne alte Zeit! Der vorrüberrauschende Flügelschlag der Zeit
hat das anspruchslose Gewebe zerrissen, in das du dich so
warm und weich eingesponnen hattest! -
Die Innigkeit deiner Beziehungen hat der Ausdehnung derselben Platz machen müssen.
 
Doberaner Reutergeld
50 PF
 
 
 
Revers: Pfennig 50
 
 
 
- Ich will einen bunten Kranz winden von lustigen Blumen für die alte Zeit
und die Totenblumen, den Rosmarin und die Nachtviolen die dazu gehören,
weiß ich durch frisches Grün verdecken, daß keiner sie sieht. 
   

Literatur: 

1. Luckow, A. "Vom Reutergeld - Zum Fritz-Reuter-Jahr 1974" in Numismatische Beiträge 1975/1

2. Brinkmann, W. / Franke, S. "Zur Entstehung des Reutergeldes" Fachtagung Numismatik, Rostock 1977

3. Joswig, H. "Das Geld" Leipzig, Jena, Berlin 1968 (Originaltext)