Von Martens Eid bis Dases Witwe - in Wismar 1620 - 1647

Ein Abriß Teil VIII                       

Die Gegenstempel-Aktion in Wismar wurde vom Goldschmied Jürgen Martens1 durchgeführt, er schnitt auch die Stempel. In seinem Eid im Juli 1620 schwor er, dass er nur die Doppelschillinge kontermarkieren wolle, die vollgewichtig waren. Nach erneuter Vereidigung begann er Münzen zu prägen, die aber nur mühsam nachzuweisen sind, da kein Münzmeister-Zeichen von ihm bekannt ist und auch teilweise keine Datierung erfolgte. So wird er bei Grimm2 auch nicht unter den Münzmeistern geführt. Kunzel3 führt ihn nur als Person und kann ihm keine Prägung sicher zuweisen, obwohl es aus der fraglichen Zeit datierte Münzen gibt. Ab 1622 ändert sich das Bild: Mitte des Jahres wird Jakob Mauche vom Rat vereidigt. Im Vorlauf gab es für ihn einige Schwierigkeiten zu überwinden. Unter anderem war er mit einem Münzvergehen in Zusammenhang gebracht worden, in welchem ein Hans Detloff eine Rolle spielte, der sein Partner beim Geldhandel war. Mauches Name erschien aber nicht in den Verhandlungsakten.  Mauche beginnt auch mit seiner Prägung: Taler 1622/23; Halb- und Vierteltaler 1622; Vierschilling (Vs Taler) 1622 und auch Sechslinge 1622. Er starb aber Anfang 1624, so dass aus diesem Jahre keine Prägung von ihm bekannt sind. Er stirbt während eines Prozesses, den seine Ehefrau wegen einer Diebstahls-Beschuldigung und Verleumdung angestrengt hat. Nachfolger wird Jahann Dase. Dieser war auf Seiten Martens in den Prozeß eingestiegen, hatte einen Monat nach dem Tod von Martens die Münze "ad interim" übernommen und begann unverzüglich zu prägen. Später heiratet er die Witwe Mauche3. Interessant wird Dase durch die Tatsache, dass er für Wallenstein geprägt hat. Diese Tatsache war immer wieder von den kompetenten Numismatikern bestritten worden, bis Kunzel den Nachweis brachte, dass Dase4 1629 zumindest 400 Taler für Wallenstein geprägt hat5. Da Wallenstein von dem Kaiser Ferdinand II. für seine Verdienste mit Mecklenburg belehnt wurde, sollte es zu einer Stempelkorrektur führen. Diese kam zwar zustande, aber die Prägung damit unterblieb wohl wegen Geldmangel, so dass es bei der "Probeprägung" blieb. Als die Schweden, die am 24.06.1630 in Vorpommern gelandet waren, im August 1631 Wismar eingeschlossen hatten, wollte der kaiserliche Stadtkommandant kupferne Notmünzen schlagen lassen. Der Rat der Stadt war davon nicht angetan, da ihm bekannt geworden war, dass es in anderen Orten Probleme mit der Einlösung von Notgeld gab. Im Januar 1632 mußte die Garnison kapitulieren. Nun bekam Dase einen neuen Vertrag und leistete den Eid. Mit diesem schwor er u.a. Valvation und Münzordnung des Kreises zu beachten, nicht ohne Entlastung den Dienst aufzukündigen, nur mit Auftrag und Erlaubnis zu arbeiten, die Probationstage des Kreises zu besuchen und ehrlich seine Arbeit zu leisten. Dagegen sollte er eine Reihe Privilegien erhalten und in der Stadt Silber zu Münzzwecken aufkaufen dürfen. Noch in diesem Jahr erhielt er eine Bestallung des Herzogs, der aus der Verbannung zurückgekehrt war. Diese Bestal­lung und anderes führte zu Differenzen zwischen Stadt und dem Herzog. So sollte Dase 1643 für Herzog Adolph Friedrich für 1000 Gulden Dreilinge prägen, welche allerdings neben dem Stadtwappen auf dem Revers, das Brustbild mit Titel, bzw. Wappen mit Titel auf dem Avers tragen. Dagegen verwehrte sich aber die Stadt und bezog sich auf die Reichsordnung von 1599, wonach auf der einen Seite der Reichsadler und auf der anderen das Zeichen des Münzherren, also der Stadt an­zubringen sei. Man erlaubte sich, in dem Widerspruch sogar mit dem wahrscheinlichen Unverständnisses des Kaisers zu argumentieren. Das zeigte offensichtlich beim Herzog, die vom Rat der Stadt erwünschte Wirkung. Die Prägung in dieser Form unterblieb. So war seine Münztätigkeit sehr unterschiedlich. Deshalb ließ er sich 1647 auf einen ungünstigen Handel mit dem schwedischen General Wrangel ein, und konnte sich nur durch Flucht den Folgen entziehen. Zu der Klärung seiner Geschäfte, wurde er unter Zusage von freiem Geleit nach Wismar zurückgerufen. Während der Verhandlungen und Verhöre erkrankte er schwer und verstarb am 18. November 1647. Seine Frau, ehemalige Witwe seines Vorgängers Mauche, überlebte ihn und hatte lange damit zu tun, seine Verbindlichkeiten bezüglich seiner Verpflichtungen und seines Nachlasses zu regeln.        

1) Nicht zu verwechseln mit Jürgen (Georg) Martens (1594-1600)t. Der o.g. war später Münzmeister in Wolgast

2) Siehe Grimm, Ed.: Münzen und Medaillen der Stadt Wismar Berlin 1905

3) Siehe Kunzel, M.: Die Münzen der Hansestadt Wismar 1359 bis 1854 Wismar und Berlin 1998

4) Siehe Order zur Münzprägung für Dase und anderes in VB.3/1003

5) Auf diesem Taler ist statt des (S) für Sagan bzw. Schlesien ein (W) für Wismar bzw. ein (M) für Mecklenburg zu lesen. Lesart nach Betrachtung. Hinzu kommt, dass die Taler mit (W) bzw. (M) extrem selten sind, was auf die geringe Ausprägung zurück ­zuführen ist. (Interna)