100 Jahre Wiedererwerb Wismars

Der Wiedererwerb unserer Stadt aus schwedischer Hand hat aus heutiger Sicht einige interessante Umstände. Als König Gustav IV. Adolf von Schweden 1796 volljährig wurde, löste er sein Verlöbnis mit der Herzogin Luise Charlotte von Mecklenburg. Luises Vater, Friedrich Franz forderte die Abtretung Wismars an Mecklenburg, begnügte sich aber vorerst mit 100 000 Taler. Der junge Schwedenkönig brauchte selbst bares und bot 1798 dem Preußischen König Pommern an. Hier sah Friedrich Franz eine Möglichkeit, seinen lang gehegten Wunsch Wismar wieder zu Mecklenburg zurück zu holen. Es begannen über Jahren die verschiedensten diplomatischen Verhandlungen, bis es zum Vertrag von Malmö kam. 

Am 26. Juni 1803 war es dann soweit, der schwedische und der mecklenburgische Bevollmächtigte unterzeichneten den Pfandvertrag zu Malmö. Die Ratifizierung erfolgte am 19. und 26. Juli. Schon am 19. August 1803 wurde Wismar im großen Saal des Fürstenhofes durch den Schwedischen Kanzler Otto Heinrich von Thun an den Bevollmächtigten Mecklenburgs, Kammerdirektor Konrad Wilhelm Brüning übergeben. 

Infolge dieses Vertrages wurden die Stadt und Herrschaft Wismar mit den Ämtern Poel und Neukloster an den Herzog von Mecklenburg für 1 250 000 Hamburger Banktaler = 5 701 357 Reichsmark verpfändet. Schweden behielt sich das Recht der Wiedereinlösung nach 100 bzw. 200 Jahren vor. Nach den ersten 100 Jahren „Pfandschaft“ wurde im Vertrag von Stockholm am 20. Juni 1903 die endgültige Rückkehr Wismars an Mecklenburg besiegelt.

Die über 170 jährige Besetzung unserer Stadt durch die Schweden und die Wiederkehr nach Mecklenburg sind Anlaß jedes Jahr ein Schwedenfest zu feiern.  

 

Versilberte Bronzemedaille 1903, von O. Schultz, auf die lOO-Jahrfeier der Wiedererwerbung Wismars. Avers Köpfe von Friedrich Franz I. und Friedrich Franz IV.

Revers Stadtansicht von Wismar von der Seeseite mit ausfahrendem Schiff, oben Schriftband, an den Enden die Wappenschilde von Mecklenburg und Wis­mar. Nur 160 Stück geprägt.  

Wismar gehörte seit dem 30jährigen Krieg zu Schweden. 1803 wurde die Stadt an Mecklenburg verpfandet, erst im Jahre 1903 verzichtete Schweden endgültig darauf.

Anmerkung: Für die Bereitstellung des Materials (Abbildung der Calvanos) möchte ich mich bei dem Sammlerfreund G. Baron bedanken.