Bricken

Hier möchte ich den dritten Band eines Buches vorstellen, welches der Sammlerfreund Heinz Röhl aus Lübeck herausgebracht hat. „Lübeck Medaillen, Zeichen“ in dem Buch werden mit knappen Beschreibungen die verschiedensten Medaillen, Marken und Abzeichen vorgestellt. Es ist ein Nachschlagewerk für Historiker und Sammler. Trotz der sehr knappgehaltenen Beschreibungen der Abbildungen, kann der interessierte Leser so manch interessante Entdeckung machen. Es erging mir so mit den „Bricken“. Die Bezeichnung war uns in Wismar unbekannt, obwohl, so möchte behaupten unsere so genannten „Totenmarken“ ja eigtentlich Bricken sind. Das Beispiel möchte ich hier aus dem Buch zitieren: 

  

„Bricken der Schiffergesellschaft

 Bricken - runde Holzscheiben - wurden vom Boten der Schiffergesellschaft als Auf­forderung, dem toten Mitbruder das letzte Geleit zu geben, überreicht,

 1) Im 17. Jahr­hundert kam die Pflicht, an den Versammlungen teilzunehmen, hinzu. Die Bricken mußten persönlich am Grab bzw. im Versammlungsraum abgegeben werden, sonst war eine Geldstrafe zu entrichten. Ausnahmen waren Krankheit bzw. Todesfälle in der Familie oder "Criminalsachen".

Die Bezeichnung Bricken wurde auch für die im 18. Jahrhundert eingeführten Mes­singscheiben beibehalten. ,,1701 bezahlte der Vorstand der Schiffergeseilschaft 6M 6ß [Schilling], um 100 Bricken herstellen zu lassen. Zusätzlich waren 12 M nötig, um Namen auf die Bricken zu stechen".2) Das Wort "stechen" ist hier der eindeutige Hinweis auf Metall, auf Holzscheiben wäre gemalt bzw. geschrieben worden.

Die auf uns gekommenen Bricken laßen sich in drei Gruppen einteilen:

1. Messing, mit Namen und Jahreszahlen von 1722 bis 1759.

2. Messing, nur mit Namen; Hier sind in den Jahren 1822,1835 und 1841 für drei Namen Hochzeiten nachweisbar.

3. Holz, mit Namen und rückseitig "bey 8ß [Schilling] Strafe". Auch hier sind, für den Zeitraum 1796 bis 1851, Hochzeiten belegt und Hinweise in Akten vorhanden.

Warum die Sorten 2 und 3 nebeneinander benutzt wurden, ist derzeit nicht zu klären.

1581 ist die Strafe bei Verweigerung des Totengeleits 2 Schilling.

3) Auf den hölzer­nen Bricken steht ,,8ß (Schilling) Strafe". Es wird sich hier ebenfalls um das Totengeleit han­deln, da die Strafe für die Nichtteilnahme an den Versammlungen höher war.

1752 wurde beschlossen, Nichterscheinen auf Versammlungen mit einem halben Reichstaler zu bestrafen.

4) Erst in den Statuten von 1864 wird die Strafe wieder auf 8ß (Schilling) herabgesetzt.5)

1) Hausordnung von 1581 (Siehe: Band 2, S. 20)

2) Ahlborn: Begraben wie in Lübeck üblich, S. 26, Anm. 2

3) Wie Anm. 1

4) Schiffergesellschaft: Memorialbuch Nr. 6

5) Schiffergesellschaft: Statuten, August 1864

   

   

Bricken

Holz, grauer Untergrund, schwarze Schrift, gelocht, Vs.: P.C. Christiansen, Randstab. Rs.: bey 8ß [Schilling] Strafe, Randstab.

53mm

Christian Peter Christiansen; Matrose, Seefahrer, 5. September 1806 Bürgereidbuch, S. 45, heiratet am 9. November 1806, Jac. Cop. B., S. 72/126

Es sind noch 79 Stück vorhanden. Gedrechselte Holzscheiben 0 46-59 mm, 7-11 mm dick. Nur drei Exemplare haben noch den kompletten Straftext auf der Rückseite, beim Rest ist er teilweise bzw. ganz abgekratzt.

Durch drei Hochzeiten 1796, 1839, 1843 und diverse Adreßbucheinträge können einige dieser Bricken in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts gelegt werden.

Standort: Schiffergesellschaft [Lübeck]“

Anmerkung: Als Bricken wird auch das Flussneunauge bezeichnet.