Dornier die Lehrlingsmedaille

 In der Ausstellung „Flugzeugbau in Wismar – die Norddeutschen Dornier-Werke“ im Stadtgeschichtlichen Museum unserer Stadt vom 30. April bis zum 4. Dezember 2005 stieß ich auf das Begleitbuch zur Ausstellung. Unter dem Titel „Flugzeugbau in Wismar – Erinnerungen an die Norddeutschen Dornier – Werke“, schreiben die Autorinnen Frau Bèatrice Busjan und Frau Corinna Schubert über interessante Begegnungen mit noch lebenden Zeitzeugen. Eine Geschichte, die des Herrn Hans-Joachim Steffen hatte es mir ganz besonders angetan. Er beschreibt wie folgt seine Lehrzeit bei Dornier:

 „Meine Lehre als Metallflugzeugbauer bei Dornier begann am 1. April 1937. Die Vorprüfung im Wismarer Arbeitsamt hatte ich mit gutem Erfolg bestanden. Die Lehrzeit bei den Dornier-Werken war für mich und viele andere von großem Wert. An unserer Ausbildung zu guten Facharbeitern hatte Meister Agethen großen Anteil. Erverlangte von uns saubere und korrekte Arbeit, achtete aber auch auf saubere Arbeitskleidung, saubere Taschentücher, geputzte Schuhe und ordentliches Benehmen. Jeden Morgen wurde Frühsport getrieben. Die Leistungen bei der Durchführung der praktischen Arbeiten wurden ständig an Hand von Diagrammen (Zeit und Qualität) aufgezeichnet. Großen Wert legte Meister Agethen auf die exakte Führung der Werkbücher. Nach anfänglichen Problemen damit erreichte ich bald ausgezeichnete Ergebnisse. Für meine praktische Arbeit und für die Darstellung unserer Arbeiten, wie z. B. die wöchentlichen Aufzeichnungen, erhielt ich von Dr. Claudius Dornier am 1. Mai 1940 die Medaille für ausgezeichnete Leistungen. Diese besitze ich heute noch. Es gab viele Ehrgeizige unter uns Lehrlingen, und ich wollte natürlich auch nicht am Ende marschieren.“ 

 Mit Hilfe des Stadtgeschichtlichen Museums konnte ich den Kontakt zu Herrn Steffen aufnehmen. Mit seinen fast 88 Jahren ist Herr Steffen noch sehr rüstig, wissbegierig und sehr interessiert. Ausführlich musste ich ihm erklären worin mein Interesse an seiner Lehrlingsmedaille bestand. Über meine kleine bescheidene Medaillen- und Münzsammlung kamen wir ins Gespräch. Selbst hat Herr Steffen kein Computer und ihm wäre es doch zu anstrengend, sich diese moderne Technik anzueignen aber sein Sohn hat einen und so manches ist ihm auch geläufig. Nachdem wir über unsere Webseite und unseren Verein gesprochen hatten, stellte er mir bereitwillig die Medaille zum Scannen für die Veröffentlichung zur Verfügung.                

  

Heute noch, nach all den Jahren ist Herr Steffen noch voller Respekt vor seinen Ausbildern. Voller Stolz zeigte er mir sein außerordentlich geführtes Berichtsheft. Fleiß, Disziplin, Ordnung und Achtung vor der Leistung der anderen, dass sind noch heute seine Lebensmaxime.

  

Trotz allen Respekts vor den Ausbildern, hatten die jungen Menschen auch seiner Zeit einen Sinn für Gerechtigkeit. Die Jungs mit denen Herr Steffen lernte, fühlten sich von ihrem Gewerbeschuldirektor  durch überzogene Forderungen schikaniert und hinzukam, dass sie sich von ihm als „Saubande“ bezeichnen lassen mussten. Da sie von niemandem Unterstützung erhielten, wehrten sie sich, anlehnend an die „Feuerzangenbowle“, auf ihre Art. Im Mecklenburger Tagesblatt, gaben sie eine Todesanzeige für den Gewerbeschuldirektor auf. Dies blieb natürlich nicht folgenlos. Die „Saubande“ musste sich vor Gericht verantworten und jeder wurde zu einer Geldstrafe von 75 Reichsmark oder 14 Tage Haft verurteilt. Die Facharbeiterzeugnisse wurden nach der Prüfung für längere Zeit noch einbehalten, da sie noch nicht die „sittliche Reife“ besaßen. 

Für diese interessante Begegnung am Freitag, den 30. Mai 2008  und das geführte Gespräch in frische und mit Humor, möchte ich mich hiermit bei Herrn Steffen bedanken.