Pfingstmarktmedaille

Wie Wismarer Pfingsten feierten 

    

1997 jährte sich unser Pfingstmarkt zum 600'sten Male, welches Anlass für unseren Verein war, diese Medaille prägen zu lassen. 

Herr Detlef Schmidt, ein bekannter Autor unserer Stadt, welcher sich mit der Geschichte und kleinen Geschichten unserer Stadt beschäftigt, baten wir um den nachfolgenden Artikel. Wir bedanken uns hiermit bei ihm für die unentgeltliche freundliche zur Verfügung Stellung.

Im Mittelalter wurden die gro­ßen Kirchenfeste aufwendiger und größer gefeiert als in der jüngsten Vergangenheit. Waren sie doch für Arm und Reich eine willkommene Abwechslung im alltäglichen Arbeitsleben. Die für Pfingsten, Ostern und Weih­nachten noch heute gültigen zwei Feiertage entstammen als letztes Relikt dem Brauchtum, dass ursprünglich nahezu eine Woche diese großen Feste be­gangen wurden. Natürlich kann­te man Urlaubstage, wie heute gebräuchlich nicht, dafür gab es Feiertage. Das Pfingstfest nimmt insofern eine Sonderstellung im gesell­schaftlichen Leben ein, weil es in den häufigsten Fällen im Mai angesiedelt ist und dieser Monat bei den Menschen eine besonde­re Stimmung auslöst: Der Win­ter ist besiegt, und das Grün der Bäume und Sträucher belebt die Gemüter der Menschen und der mittelalterliche Kaufmann konn­te seine Reisetätigkeit zu Land und zur See wieder aufnehmen. 

Das Pfingstfest ist das Kir­chenfest mit dem tiefsten reli­giösen Ursprung und wird teil­weise auch als "Geburtstag" der christlichen Kirche bezeichnet, denn es wird an die Aussendung des Heiligen Geistes an die zwölf Apostel in Jerusalem erinnert. Der Name Pfingsten ist aus dem griechischen Wort "Pentekoste" gebildet, das für die Zahl "Fünf­zig" spricht. Die Zahl "Fünfzig" setzt das Datum des Pfingstfes­tes im laufenden Kirchen- und Kalenderjahr fest, das sich aus einer Reihe vorhergegangener kirchlicher Festtage herleitet. Das Pfingstfest beginnt fünfzig Tage nach dem Osterfest, das wiederum am ersten Sonntag nach dem Frühjahrsvollmond be­gangen werden soll. Nach diesem Datum richten sich die beiden großen Kirchenfeste. 

In Wismar wurden neben den religiösen Zeremonien in den Kirchen ausgiebig auf den Stra­ßen und in den Schenken gefei­ert. Beliebt war das Schießen auf die Vogelstange, das alljährlich zu Pfingsten vor dem Lübschen Tor stattfand. Maßgebliche Be­teiligte waren die Mitglieder der Papagoyengesellschaft, aus der sich später die Kaufmanns- und die Schiffercompagnie abzweig­ten. Dazu wurde der Maigraf ge­wählt, den der Schützenkönig zu bewirten hatte. Der neue Schüt­zenkönig wurde dann später im Neuen (Bürger-) Haus Hinter dem Rathaus (heute Nr. 15) ge­bührend gefeiert. Der Maigraf führte das einfache Volk vor das Altwismartor in den Rosengar­ten, dem heutigen Lindengar­ten, wo es ebenfalls feierte. Der Schützenkönig hatte die Pflicht, bis spätestens eine Woche nach Pfingsten ein Essen zu geben und eine Tonne Bier zu spendieren. In der Schwedenzeit erhielt er vom schwedischen König 100 Taler zur Belohnung. 

Beliebt war auch der Wismarer Pfingstmarkt, der zuerst 1397 beurkundet wurde und somit zu den ältesten durchgehenden Märkten in Deutschland gehört. Begonnen wurde er mit einem Geläut von St. Marien am Sonn­tag vor Pfingsten und ebenfalls mit einem Geläut Freitag vor Pfingsten geschlossen. Während dieser Zeit herrschte in der Stadt der Marktfriede, das heißt es durften keine Schuldner verfolgt werden und es wurden keine Streitigkeiten geduldet. Leider wurde dieser traditionsreiche Markt heute vor die "Stadtto­re" gedrängt und auch die tra­ditionellen Zeiten stimmen nicht mehr überein. Dass er in diesem Jahr am Feiertag von Christi Himmelfahrt für drei Tage be­gonnen wurde, ist nur noch als instinktloses und trauriges Bei­spiel für verständnisloses Han­deln mit städtischer Tradition zu begründen, die letztendlich im Himmelfahrtstag nur noch ein "herrenähnliches Trinkgelage" sieht. 

Die ausschweifenden Feiern zu Pfingsten wurden den Wisma­rern beinahe zum Verhängnis. 1511 erschienen plötzlich mitten im schönsten Pfingstmarkttrubel die Dänen, die alten Feinde der Wismarer, mit 20 Schiffen vor dem Hafen. 

Der Türmer von St. Marien merkte dies, aber Bürgermeister Heinrich Malchow, selbst nicht mehr ganz nüchtern, schlug dies als "betrunkene Hirngespinste" ab und verbot Alarm zu schla­gen. Doch nachdem die Dänen immer näher kamen, blies der Türmer in sein Horn und die "Bürger sprangen auf wie ein verschreckter Haufen Schwei­ne", so der Chronist Reimar Kock. Ratsherr Görges Zarne­kow soll so betrunken gewesen sein, dass er mit einem Schiff ohne ausreichende Bewaffnung dem Feind entgegenfuhr und von diesen natürlich sofort gefangen genommen und nach Kopenha­gen gebracht wurde. Schnell erholten sich die Wis­marer vom ersten Schrecken und wehrten die Angriffe erfolgreich ab, sodass die Dänen nur in den umliegenden Orten Verwüstun­gen anrichteten, aber der Han­sestadt keinen Schaden zufügen konnten. 

Pfingsten erlebt heute jeder auf seine Art, wobei es gut ist, wenn man sich den Ursprung dieses Festes ab und zu vorhält. 

  Detlef Schmidt