Das Wassertor

Über viele Jahre trafen sich unsere Münzfreunde regelmäßig im Wassertor. Unser ehemaliger Münzfreund Günter Drechsler † hatte uns, als ehemaliges Mitglied im Club Maritim, diese Möglichkeit organisiert. Anlässlich des 10. Jahrestages der Gründung des Club Maritim wurde untenstehende Medaille herausgegeben. Zur Geschichte und historischen Bedeutung des Wassertores habe ich nachfolgendem Beitrag gefunden.

Avers 1979 - 1989 CLUB  MARITIM  WISMAR

Revers 1229 - Wismar - 1989 - Werft- und Hafenstadt
 
 

Das große Wassertor

Das große Wassertor kann in doppelter Hinsicht das Attribut "letztes erhaltenes Tor" für sich in Anspruch nehmen. Es ist das letzte der fünf großen Stadttore Wismars und das einzige noch erhaltene Wassertor überhaupt, zumindest der Städte Wismar, Rostock, Stralsund und Greifs­wald. Ein Grund mehr, das schöne Zeugnis mit­telalterlicher Backsteinkunst 1976 unter Denk­malschutz zu stellen. Gleichfalls geschützt wurden die letzten Rudi­mente der Stadtmauer an der Neuen Wallstraße und in der Nähe des ehemaligen Schwarzen Klos­ters an der Dr.-Leber-Straße. Die 1276 errichtete Stadtmauer war eine Ringmauer mit einem Umfang von 3030 m, einer Höhe von 3,5 bis 4 m und ca. 1 m stark. Durchbrachen wurde das Mauerwerk von zahlreichen Türmen, kleinen Toren, Torpforten und fünf Haupttoren. Bis 1868 war die Stadtmauer mit den turm- und hausartig gebauten Stadttoren - dem Lübschen-, dem Mecklenburger-, dem Altwismar-, dem Poeler Tor und dem Wassertor - noch fast voll­ständig erhalten. Das große Wassertor, wie es sich heute darstellt, wurde einem Vorgängerbau folgend um 1450 errichtet. Wie ältere Stadtansichten erkennen lassen, besaß es zur Hafenseite einen Stufengie­bel. Um 1600 wurde er zu dem jetzigen Drei­ecksgiebel, der über der Toröffnung mit einem horizontalen Dreiblattfries aus glasierten Form­ziegeln verziert ist, umgestaltet. In Blendnischen sind Stadt- und Ratswappen eingefügt. Ein­drucksvoller ist der Staffelgiebel zur Stadtseite, der durch sechs zweigeteilte Blendnischen ge­gliedert ist. Die spitzbogige Tordurchfahrt des quadratischen Backsteinbaus ist mit einer Holz­balkendecke versehen. Nachdem 1898 das alte Torschreiberhaus neben dem Tor abgerissen wurde, entstand Anfang des 20. Jhd. der Anbau, der für diverse Zwecke genutzt wurde. Der alte Wachraum im Durchfahrtsgeschoss des Tores aber geriet in Vergessenheit und wurde Jahr­zehnte nicht mehr genutzt. Das änderte sich, als 1976 der Rat der Stadt beschloss, das Wassertor rekonstruieren zu lassen. Die Rekonstruktions­arbeiten mussten aber so erfolgen, dass die ur­sprüngliche Gestalt desselben, außen wie innen, unverändert blieb. Gemäß der mittelalterlichen Bauweise wurde das Geschoss innen einfach und rustikal umgestaltet. In diesem Zusammenhang wurden fünf einst offene, später zugemauerte Fenster wieder geöffnet und ein Zugang zum Torraum über das Nebengebäude geschaffen. Von Baustudenten und -handwerkern wie auch von stadtgeschichtlich interessierten Bürgern wurde unter Anleitung von Denkmalpflegern das alte Tor zum Domizil für den "Club mari­tim" umgestaltet. Die Innenausstattung ist der spätgotischen Bauweise angepasst und wird von allerlei maritimen Gegenständen komplettiert. In den Sommermonaten ermöglicht der "Club maritim" Gästen und Touristen der Stadt auch einen Blick in das Tor.

(Quelle "Wismar für Kenner" Streifzüge mit Christel Kindler und Arthur Eulert)